Donnerstag, 23. oktober 2008


Da ist er - der langersehnte Schlüssel! Seit heute 15 Uhr ist es nicht mehr Herrn Baumanns Baustelle, sondern unser Haus! Nicht schlecht. Begonnen hat die Übergabe übrigens um 11 Uhr - es hat sich also ganz schön hingezogen.

Anwesende: Herr Baumann (auch bekannt als "der Pate"), Herr Markstein (Gutachter vom Paten), Herr Hecker (unser Gutachter), Herr Hering (der Mann von der Feinreinigung) und natürlich wir.

1. Akt - Begrüßung: freundliche Begrüßung durch gutgelaunten Paten, dessen gute Laune kurz getrübt wird, als wir unseren Gutachter vorstellen. Kurz anschließend betritt Herr Markstein die Bühne. Der Mann von der Feinreinigung verteilt Plastiküberzieher für die Schuhe aller Beteiligten, bzw. Herr Baumann und ich betreten das Haus mit Socken.

2. Akt - Parkettschaden: zunächst mal angeheme Überraschung, der Mann von der Feinreinigung hat das ganze Haus auf Hochglanz poliert - Fliesen, Bäder, Fenster innen + außen, Fensterrahmen, alles glänzt. Dann Entsetzen: das wunderbare Eichenparkett ist total stumpf und hat überall Flecken! Die Gutachter verweigern einstimmig die Abnahme - der Parkettleger wird herbeibeordert.

Parkettleger ist stinksauer - vorgestern war das Parkett noch in Ordnung. Beschuldigt wird die Feinreinigung, kann aber nicht nachgewiesen werden. Das verwendete Reinigungsmittel zum Parkett putzen ist nicht mehr auffindbar - die Haftungsfrage kann nicht geklärt werden. Lösung vorerst: der Parkettleger muss das ganze Parkett im Wohnzimmer heute noch neu einölen und damit frisch versiegeln. Passendes Öl ist da, er startet sobald alle draußen sind.

3. Akt - die Gutachtern eifern um die Wette:  wir gehen in den Keller. Im ersten Raum stürzen sich beide Gutachter wie die Wahnsinnigen auf die ersten Mängel: hinter dem Heizkörper ist nicht gescheit gestrichen, die Fensterbank ist nicht gut genug abgeschliffen, auf der Betonwand sind "Nasen" vom Streichen, die Decke ist nicht gut genug verspachtelt. Der Pate klebt überall braunes Klebenband drauf und schickt gleich im Anschluss den Maler nochmal überall rum. Die Feuchte ist in Ordnung, der Teppich sitzt, die Fenster schließen gut - beide Gutachter sind zufrieden.

Nächster Raum: Technik-Raum. Überall Rohre. Ich erzähle von der geflickten Schweisnaht und dass ab und zu die Drucknadeln an der Übergabestation wackeln. Die Gutachter wollen das sehen - der Heizungsbauer wird gerufen und nimmt die Blende von der Heizung ab. Alle stehen sich gegenseitig im Weg herum - der Raum ist winzig und nicht für 7 Leute gedacht. Die Gutachter beäugen die Heizungsanlage misstrauisch - sind dann aber soweit zufrieden. Der Gutachter vom Paten bemängelt, dass das Plastikverdeck wohl in China gemacht wurde - da der Ausschnitt zu groß ist. Unser Gutachter findet eine eingeschnittene Isolierung - der Pate notiert und schimpft den Heizungsbauer. Der gelobt Besserung und will es die nächsten Tage ausbessern. Anonsten: Keller wunderbar, Feuchte gut, alle Türen schließen sauber ab - Fugen hinter den Türen werden noch schnell nachgezogen.

4. Akte - die Treppe: die Treppenstufen sind noch eingepackt - und wir wollen sie auch nicht alle auspacken. Soll für den Umzug geschützt bleiben. Der Pate weisst darauf hin: alles was nach heute entdeckt wird, gilt nicht mehr als Mangel. Wir entschließen uns zu Stichproben: der erste Gutachter lässt die dritte Stufe öffnen. Der Mann von der Feinreinigung greift zum Messer, packt die Stufe aus und putzt sie sofort. Die Gutachter stecken Köpfe auf die Stufe und finden ein Astloch - nicht sehr schön, aber auch nicht schlimm. Es wird noch eine Stufe geöffnet - wieder ein Astloch, diesmal am Rand - muss ausgebessert werden. Es werden insgesamt 4 weitere Stufen geöffnet - alle weiteren ohne Befund. Die Gutachter sind soweit zufrieden

5. Akt - Parkett im Obergeschoss: die Räume im Obergeschoss werden begutachtet - Fenster, Türen, Rolläden, Lüftung, Wasser - alles ohne Befund. Dann das Parkett: es drückt sich ein bisschen Fugenmasse nach oben. Die Gutachter sind sich uneinig, was das sein könnte. Entweder ganz normal, oder unebener Boden, oder das Parkett steht zu dicht an der Wand an. Der Parkettleger wird herbeigeordert und muss eine Sockelleiste entfernen. Und tatsächlich: auf einer Breite von ca. 10cm steht das Parkett zu dicht an der Wand. Die Gutachter sind hocherfreut - Diagnose gefunden. Der Parkettleger holt die Säge und kürzt das Parkett ein. Die Sockelleiste wird wieder montiert und der Maler besser gleich die Farbe wieder nach.

6. Akt - die Ästhetik des Spenglers: Im Parkett im Dachgeschoss finden sich auch leichte Verfärbungen - die Gutachter bestehen auf einem Mangel. Die Laune des Parkettlegers geht gegen Null. Auch hier muss nachgebessert und ggf. teilweise neu versiegelt werden. Dann die Dachterasse: wir weisen auf die furchtbar hässliche Isolierung hin (eine halbhohe Wand mit Blech verkleidet). Die Gutachter finden es auch hässchlich, allerdings leider DIN konform. Kann man nichts machen. Der Mann von der Feinreinigung rät zu einer Abdeckung aus wasserfestem Stoff - hatt er mal irgendwo im Fernsehen gesehen. Toll. Der Pate meint - wenn ich Spengler wäre, würd ich das total schön finden. Bin ich aber nicht! Ich find hässlich - und eine Umschulung zum Spengler kommt nich in Frage. Naja, wenigstens ist es gut gearbeitet - die Gutachter sind sich einig: hässlich aber von guter Qualität...

Letzter Akt - Schlüsselübergabe: und dann ist es endlich soweit - das Türschloss wird getaucht und wir kriegen den Schlüssel. Ab jetzt kann keiner mehr ohne uns rein. Unser Gutachter zeigt sich im anschließenden Gespräch unter vier Augen sehr angetan - selten so wenige Mängel gehabt, alles Kleinigkeiten die leicht zu beheben sind. Außerdem lobt er die Grundeinstellung vom Paten - Mängel werden akzeptiert und gleich behoben. Na gut. Unser Gutachter geht. Ich denke aber es hat sich trotzdem rentiert - die beiden Gutachter haben sich irgendwie gegenseitig hochgeschaukelt - wer sieht mehr, kleiner Wettstreit unter Kollegen. Na - mir solls recht sein.

So, ab jetzt gilt es in den Umzugsmodus umzuschalten. Morgen reisen meine Eltern an und bringen eine Ladung voll Babyklamotten. Dann wird gepackt und im Baumarkt Klorollenhalter gekauft - denn die machen wir selbst, als einziges ;-)
von kohli
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